Falls mal wieder jemand ein Dokument sucht, dass er kürzlich verwendet hat (und Du partout die Datei nicht wiederfindest — überarbeitete Version) …
Vorab: falls Ihr das „natürlich“ alles schon wisst, seid Ihr herzlich eingeladen, diesen Beitrag einfach zu ignorieren – er ist für uns Idioten, die wir Windows benutzen und eine Gedankenstütze brauchen, wo sie mit dem Suchen anfangen könnten.
OK – wo wir also jetzt unter uns sind …
Viele Apps halten eine Liste von „zuletzt verwendeten“ Dateien vor – bei MS-Office z.B. bekannt aus dem Öffnen-Dialog, sonst auch oft ein eigener Punkt im Menü „Datei“.
Bei diversen Apps gibt es beim Rechtsklick auf das Icon in der Taskleiste ebenfalls eine entsprechende Übersicht (die ist aber von Fall zu Fall etwas speziell und liefert nicht immer etwas Erwartungskonformes).
Bei heruntergeladenen Dateien kann u.U. die Download-Liste des Browsers weiterhelfen (Bei Firefox „Extras>Download“ …). Es sei denn, man speichert alles immer im „Downloads“-Ordner und hat die Datei von dort irgendwohin verschoben …
In Win11 gibt es im Startmenü (das Popup das aufploppt, wenn man auf den Windows-Button in der Taskleiste klickt) auch noch die „Empfohlen“-Liste. Manchmal hilft auch die schon weiter (ggf. auf „Mehr>“ klicken), und es gibt die dortige Suche (Eingabefeld oben im Startmenü) – wenn man den Dateinamen noch halbwegs korrekt erinnert, kommt man eventuell auch damit zum Ziel.
Und dann gibt es noch die Dateisuche im Datei-Explorer (oben rechts neben der Adressleiste). Die Suche funktioniert immer, ohne dass Windows sich die Datei irgendwie vorher mal gemerkt haben muss, ist aber offenbar auch relativ ineffizient, so dass es die Sache durchaus beschleunuigen kann, wenn man ungefähr weiß, wo man suchen muss. Die Suche beginnt immer in dem Ordner, in dem man sich mit dem Dateilistenfenster gerade befindet.
Im Kontextmenü (Rechtsklick) der Ergebnisliste kann man übrigens auf „Dateipfad öffnen“ klicken und so in den Ordner springen, in dem sich die eigentliche Datei selbst befindet.
Ansonsten haben sowohl Win10 wie auch Win11 einen „Ordner“, in dem man Links (im Grunde so was wie Desktop-Icons) zu den zuletzt genutzten Dokumenten findet. Diese Liste ist zwar auch nicht immer vollumfänglich, reicht in der Regel aber wenigstens deutlich weiter zurück als alles bisher erwähnte (die skurrilen Einträge, die Euch nichts sagen, kommen aus irgendwelchen Automatismen des Systems … nicht weiter wundern …).
Leider ist diese Liste nicht per Default, *hüstel*, will sagen standardmäßig im Dateiexplorer sichtbar. Man findet sie üblicherweise unter:
C:\Users\<username>\AppData\Roaming\Microsoft\Windows\Recent
oder mit allgemeingültigen Pfadvariablen:
%USERPROFILE%\AppData\Roaming\Microsoft\Windows\Recent
oder – falls das nicht funktioniert –
%HOMEPATH%\AppData\Roaming\Microsoft\Windows\Recent
(ggf. manuell in die Pfadzeile vom Dateiexplorer kopieren)
Profi(-Dateisucher)-Trick: Wenn man von der Liste aus eine Ordnerebene höher geht (Klick auf „↑“ … oder obigen Pfad ohne „\Recent“ verwenden), kann man den „Zuletzt verwendet“-Ordner1️⃣ über das Kontextmenü („Rechtsklick“) in die Schnellzugriffe aufnehmen (je nach System und Konfiguration2️⃣ ist das das (scheinbare) Wurzelverzeichnis oder ein „Start“-Verzeichnis auf oberster Ebene im Dateiexplorer) oder ihn bei Win11 in die „Angeheftet“-Liste des „Start“(-button-)menüs aufnehmen (also in dem Popup das Aufploppt, wenn man auf den Windows-Button in der Taskleiste klickt – in dem Fall Rechtsklick auf den Ordner und „An Start anheften“ wählen (… und ja, Ihr seid zu Recht verwirrt).
Im Kontextmenü (Rechtsklick) der Dateilinks im Ordner „Zuletzt verwendet“ kann man ebenfalls auf „Dateipfad öffnen“ klicken und so in den Ordner springen, in dem sich die eigentliche Datei selbst befindet. Einfach saupraktisch so was. Geht übrigens auch mit den Ordner-Links (die sich Windows da auch merkt).3️⃣
Gut. Einen hab ich noch. Ohne jetzt einen Lehrgang zu Eingabe-Konsolen und Plain-Text-Dateiformaten vom Zaun zu brechen – also nur für Leute, die grundsätzlich wissen, was damit gemeint ist …
Wenn Ihr den Dateinamen nicht wisst, es aber um eine Datei geht, die Klartext-Daten (Also reinen Text) enthält – und Ihr wieder ungefähr wisst, wo Ihr suchen müsst – kann Euch die Windows-Shell, will sagen „Eingabeaufforderung“, oder auch die PowerShell weiterhelfen mit dem Programm „findstr“ (für die Linuxer unter uns: das ist die Windows-Version von „grep“).
Beispiel: findstr /SI "ein Text" *
Beispiel 2: findstr /SRI "ein Muster" *
Mit findstr /? kann man sich die Hilfe dazu ausgeben lassen.
Kann sehr gut sein, dass Umlaute, ß und dgl. Probleme machen (Windows verwendet intern UTF-16, die meisten Plain-Text-Formate aber UTF-8, aber da scheinen eher die guten alten DOS- oder Windows-Codepages am Start zu sein … hab ich spontan noch nicht geblickt). Wenn man den Muster-Modus (in der Doku steht „Regulärer Ausdruck“ … naja, lassen wir das mal so stehen …) einschaltet, kann man das mit „..“ (an der Stelle, wo der Umlaut wäre) in gewisser Weise umgehen. Der Rest derSuche sollte dann haber hinreichend spezifisch sein, sonst kriegt Ihr einen Wust von Matches, der Euch auch nicht weiterhilft.
Wenn Ihr die Dateiendung kennt, kann man statt * auch *.html, *.txt, *.docx oder so verwenden (alte *.doc sind aber z.B. in einem Binärformat und mit findstr nicht auffindbar).
Leider kriegt man – so weit ich auf die Schnelle gesehen habe – auch die Powershell nicht ohne Weiteres dazu, UTF-8 korrekt zu durchsuchen. Aber der Vollständigkeit halber die „modernere“ Variante (ausschließlich für) die Powershell:
gci -r -i * | select-string -Pattern "einRegEx"
gci ist eine Abkürzung für „Get-ChildItem“. Select-String -Pattern versteht tatsächlich die gewohnte Syntax für Reguläre Ausdrücke (s. https://learn.microsoft.com/de-de/dotnet/standard/base-types/regular-expression-language-quick-reference). Für Get-ChildItem kann man allerdings eine Liste von Dateiendungen angeben, die nicht berücksichtigt werden sollen – z.B. so:
gci -r -i * -exclude *.bak,*.bac,*.crt,*.csr,*.csv,*.dat,*.db,*.dic,*.zip,*.dll,*.editorconfig,*.eot,*.eslintrc,*.fla,*.gif,*.gitignore,*.ico,*.jpg,*.jpeg,*.pdn,*.key,*.lic,*.lock,*.log,*.map,*.min.css,*.min.js,*.otf,*.pdf,*.pem,*.bak.php,*.pk12,*.png,*.psd,*.svg,*.swf,*.mpeg,*.mpg,*.ova,*.ttf,*.woff,*.woff2,*.doc,*.docx,*.xls,*.xlsx,*.ppt | select-string -Pattern "einRegEx"
Noch besser funktioniert ein echtes „grep“ – z.B. in der an Windows angepassten Linux-Shell („Git-Bash“), die die Installation von Tortoise-Git mitbringt – denn die funktioniert mit UTF-8, „grep“ schließt automatisch (die meisten) Binärdateien aus und kann obendrein ordentliche Reguläre Ausdrücke (mit Option „-P“):
grep -riP '\bf[üÜ]r\b'
(sucht nach „für“, „Für“ oder auch „FÜR“ und zwar genau danach, nicht etwa nach „dafür“ oder „Fürsorgepflichtsverletzungsrisiko“)
In der Bash-Shell beginnt der Pfad zum Nutzer-Ordner mit „/c/Users/“, anderorts kann das auch „/mnt/c/Users/“ sein.
OK. Soll mal reichen.
| 1️⃣ | also den Ordner „Recent“, der aber in deutschen Windowssen (krass: habe soeben den Numerus Pluralplural erfunden …) „Zuletzt verwendet“ heißt |
| 2️⃣ | vermutlich abhängig von Einstellungs-Option „Alle Ordner anzeigen“) |
| 3️⃣ | Nein, nein, steht wieder auf, Ihr müsst Euch nicht in den Stab werfen. Schickt mir einfach Geld an meinen Billobank-Schnickschnack-Account und verkündet meine Botschaft unter den Verirrten. Euch dabei zuzugucken reicht mir völlig … |